Trophäen
Installation mit Videos, Zeichnungen und Objekten/ 2011
„An object is dead, when the gaze that used to be on it has disappeared. And when we disappear, our objects will be sent to the place where we send the objects of the Negroes: the
museum.“
aus: Les statues meurent aussi, Chris Marker/ Alain Resnais, 1953
Afrikanische Masken in ethnologischen Museen werden uns immer in der gleichen, mono-perspektivischen Weise gezeigt: hinter einer spiegelnden Glasvitrine sieht man ihre konvexe Seite auf einem
Metallgestell; die ihrem ursprünglichen Kontext entrissene Maske blickt einen seltsam stumm mit ihren leeren Augen an. Die Masken sind auf Metallspießen befestigt - Kopftrophäen gleich - die
jeweils an die entsprechende Maskenform angepasst sind und sie an den Stellen durchbohren, wo früher ein Kostüm angebracht war.
Doch wie verhält es sich mit der nie sichtbaren Rückseite der Maske, der konkaven Innenseite? Wie sieht diese aus und vor allem: was sieht die Maske?
In den riesigen Sammlungen und Archiven des Königlichen Museums für Zentral- Afrika in Brüssel wird das Andere durch ethnologische Objekte untersucht, nummeriert, klassifiziert und somit
kontrolliert. Diese Objekte bzw. Trophäen, deren Urheber wie auch die größtenteils gewaltsame Form ihrer Aneignung konsequent ausgeblendet werden, wurden hauptsächlich während der belgischen
Kolonialherrschaft im Kongo bei sogenannten Expeditionen erworben. Insbesondere die Rückseite der afrikanischen Maske mit ihren Stempeln, Inschriften und Nummerierungen, bildet somit ein
aufschlussreiches Zeugnis der blutigen belgisch-kongolesischen Geschichte.
Anhand einer scheinbar einfachen Fragestellung nach der Rückseite der afrikanischen Maske, werden so weitreichende Fragen nach der Grenze zwischen Betrachter und Objekt, Uns und dem Anderen,
Spiegel und Gespiegeltem aufgeworfen: If I am the Other, then who are you?
PAULINE M´BAREK